BSR ist Gründungsmitglied im InfraLab Berlin

Seit 2002 ist Norbert Pauluweit bei der BSR, und seit 2011 leitet er den Bereich Energie, Umwelt und Innovationen. Mit dieser Aufgabenbeschreibung entdeckt man in Berlin zwangsläufig den EUREF-Campus. Vor eineinhalb Jahren fand auf dem Campus eine Klimaschutzkonferenz statt. Am Rande kamen Vertreter von einigen der großen Infrastruktur-Unternehmen  in Berlin auf die Idee, ein gemeinsames Projekt zu starten. Möglichst auf dem EUREF-Campus. Zu dieser Zeit standen die Produktions-Container, die Günther Jauch nach dem Ende seiner Talk-Show hinterlassen hatte, leer. Immerhin 600 qm. Man war sich sehr schnell über diesen idealen Standort einig.

Bis alles geregelt war dauerte es bis Anfang Dezember 2016, dann konnte das InfraLab Berlin als Co-Working-Projekt  der sechs Unternehmen an den Start gehen. Beteiligt sind neben der BSR, die BVG, die Berliner Wasserbetriebe einschließlich des Stadtwerks Berlin, die GASAG und ihre Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, Vattenfall gemeinsam mit der Stromnetz Berlin GmbH, und Veolia.

Gemeinsam beschäftigt man sich mit den Themen der Zeit wie Klimaschutz, Mobilität, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft. Drei StartUps sind derzeit im InfraLab tätig und in mittlerweile 10 Arbeitsgruppen wird an Projekten zu den Themen gearbeitet. Eine Steuerungsgruppe, in der alle beteiligten Unternehmen vertreten sind, regelt das Geschehen. Zwar stehen die Unternehmen teilweise auch in Konkurrenz zueinander, so bietet ja zum Beispiel auch die GASAG Strom an. „Solche Themen“, so Norbert Pauluweit, „werden weitgehend ausgespart. Da bleiben aber trotzdem noch genügend Arbeitsfelder, die für alle Unternehmen interessant sind.“ 

Ein Ergebnis der Arbeit soll schon in Kürze umgesetzt werden, nämlich ein Pilotprojekt für ein Fuhrpark-Sharing-Modell. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen haben ähnliche Bewegungsprofile. Da bietet es sich an, sinnvolle Teile der Fahrzeugflotten in einen Pool zu geben, aus dem sich alle bedienen können. Das heißt aber nicht, dass ein BVG-Mitarbeiter mit einem Fahrzeug der Wasserbetriebe unterwegs sein muss. Die Autos der gemeinsamen Flotte werden mit dem InfraLab-Logo gebrandet.

Nachhaltigkeit und eine bessere Lebensqualität stehen im Fokus der Infra-Lab-Innovationswerkstatt. Damit soll ein wichtiger Beitrag für die städtische Entwicklung geleistet werden, denn InfraLab Berlin dient nicht nur den eigenen Aktivitäten der sechs Partner, sondern auch der Umsetzung von Smart City Projekten in enger Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Das InfraLab Berlin ist ein einzigartiger Ort des Austausches und der Ideenschöpfung. Und die strategische Lage auf dem EUREF Campus erschließt außerdem ein immenses Potential, ein vorhandenes innovatives Netzwerk, das in die Entwicklungsprozesse im InfraLab mit eingebunden werden kann und soll.

Mit Norbert Pauluweit sprachen wir auch über sein Unternehmen, die Berliner Stadtreinigung. Rund 1.600 Fahrzeuge sind täglich in Berlin im Einsatz, entsorgen den Müll und reinigen die Straßen. In Berlin kann man keine fünf Minuten unterwegs sein, ohne der BSR zu begegnen: einem orangefarbenen Fahrzeug, einem Straßenpapierkorb gleicher Farbe oder einem Mann, einer Frau in Orange. Selbst wenn so ein großes Müllfahrzeug in einer engen Straße gerade den Weg versperrt, sollte man sich nicht ärgern, sondern froh sein, dass der Müll entsorgt wird. Die flotten Sprüche auf den Fahrzeugen wie „Räumschiff“ oder „Spülzeugauto“ oder auf den 22.500 Straßen-Mülleimern  wie „Becher Buttler“ oder „Kippen Diener“ sorgen zusätzlich zur guten Arbeit seit Jahren für ein gutes Image der BSR. Norbert Pauluweit ist davon überzeugt, dass dies auch zum Bewusstsein der Menschen beiträgt, den Wert von Stadtsauberkeit zu würdigen.

Um in der weiteren Zukunft die durch ein Müllfahrzeug versperrte Straße zu vermeiden, arbeitet die BSR an Alternativen. Eine Idee: Roboter bringen die Müllbehälter an einen zentralen Platz, so dass die großen Fahrzeuge nicht mehr in enge Straßen fahren müssen. Transporte des verpackten Mülls in Abwasserkanälen sind auch eine Überlegung wert. Auch die Möglichkeit der Verlagerung der Abfallentsorgung in die Nachtzeit, wie beispielsweise in New York, wird untersucht. Dazu wird an leiseren Mülltonnen und Fahrzeugen geforscht. Allerdings dürfte das bei den Berlinerinnen und Berlinern trotzdem nicht auf viel Gegenliebe stoßen, denn ganz ohne Geräusch geht‘s natürlich nicht.

Eines hat uns Norbert Pauluweit im Gespräch ganz deutlich vermittelt: Die BSR ist heute wesentlich mehr als „nur“ Müllentsorgung und Straßenreinigung.