Autonom über den Campus fahren mit EasyMile

Seit rund zwei Monaten ist Benedikt Sperling-Zikesch bei EasyMile. Sein Unternehmen befindet sich seit gut einem Monat im InnoZ-Haus 16. Benedikt Sperling-Zikesch war zuletzt sechs Jahre in Chile tätig und hat dort für den südamerikanischen Kontinent Projekte des erneuerbaren Energiemarktes entwickelt. Nun ist er für den deutschsprachigen und osteuropäischen Markt als Sales Manager tätig und kümmert sich um die Verbindung zwischen Kunden, Politik und Genehmigungen.  

EasyMile wurde 2014 als Gemeinschaftsunternehmen des Kleinwagenherstellers Ligier mit dem Partnerunternehmen Robosoft gegründet und hat heut rund 110 Beschäftigte. Seinen Hauptsitz hat EasyMile im französischen Toulouse und unterhält Büros in Singapur und Denver, jetzt auch in Berlin. Hier ist Benedikt Sperling-Zikesch noch allein in seinem Büro, was sich aber bis Jahresende geändert haben wird, wenn sich drei weitere Kollegen zu ihm gesellen. Die Entscheidung für den Standort EUREF-Campus hat das Unternehmen getroffen, weil es bereits in Frankreich mit InnoZ und der Deutschen Bahn zusammenarbeitet.  

Kerngeschäft von EasyMile ist die Herstellung und der Vertrieb von autonomen Fahrzeugen. Als erstes Unternehmen kann EasyMile darauf hinweisen, dass seine Fahrzeuge vom TÜV zertifiziert sind und ebenfalls als erste im Mischverkehr unterwegs sein dürfen. In Bad Birnbach pendelt der Shuttle-Bus, der zwölf Personen befördern kann, auf einer 660 m langen Strecke zwischen einem Thermalbad und dem Marktplatz und durchquert dabei eine 30er-Zone, in der auch alle anderen bekannten Fortbewegungsmittel unterwegs sind. Noch ist es so, dass in Deutschland ein Steward an Bord sein muss, der bei möglichen Problemen eingreifen könnte. Das Fahrzeug selbst ist aber vollkommen autonom unterwegs und verfügt über kein Lenkrad.

Die abzufahrenden Strecken sind einprogrammiert. Von Sensoren, Kameras und GPS unterstützt, bahnt sich das Fahrzeug seinen Weg bis ans Ziel. Die Reichweite beträgt elf bis vierzehn Stunden. Bis zu 45 km/h kann das Fahrzeug schnell sein, im Schnitt sind es 7 bis 20 km/h, in Bad Birnbach sind 15 km/h vorgeschrieben. Das mag einem recht langsam vorkommen, relativiert sich allerdings, wenn man bedenkt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit des regulären Verkehrs in München 17 km/h beträgt.

Das autonome Fahrzeug trägt den Namen EZ10. Für den InnoZ gehörenden und auf dem EUREF-Campus stationierten Bus, wird sich bestimmt ein Spitzname finden. Bis zum 29. November konnten Namensvorschläge eingereicht werden. Vor einiger Zeit gab es schon ein ähnliches Modell auf dem Campus, das von einem amerikanischen Unternehmen betrieben wurde und unter den Namen Olli bekannt war.

Hergestellt wird der Kleinbus in Frankreich für den weltweiten Vertrieb. Anfang 2017 gab es in 16 Ländern bereits 50 Fahrzeuge. Vor allem Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs sind an dem Kleinbus interessiert, im Wesentlichen für kurze Strecken, auf denen sich der Einsatz eines großen Fahrzeuges nicht lohnt. Der Bus selbst kostet, je nach Ausstattung, rund eine viertel Million Euro. Ein paar Fahrzeuge hat das Unternehmen auf Lager, aber auch Wunschfahrzeuge können innerhalb von drei Monaten an den Start gehen.

Der Bus auf dem EUREF-Campus wird vermutlich zu bestimmten Zeiten auch allen Beschäftigten als Mitfahrgelegenheit zur Verfügung stehen. Ziel bleibt, einen Shuttle-Service vom EUREF-Campus zum Bahnhof Südkreuz einzurichten.

Weitere Infos: http://easymile.com/

Mit Benedikt Sperling-Zikesch sprach Ed Koch