Energierevolution auf dem EUREF-Campus für die Energiewende 2.0

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien und die daraus resultierenden Spannungsschwankungen im Stromnetz führen immer öfter zum Abregeln von überschüssigem Strom durch die Netzbetreiber. Saubere Energie aus Wind und Sonne gehen dadurch verloren. Ein neuer Technologieansatz der GASAG Solution Plus verbindet die Power-to-Heat- mit der Power-to-Cool-Technologie, bindet diese in den Regelenergiemarkt ein und bildet somit eine neue Speicherlösung für erneuerbare Energien.

Zehn Tage könnte man Berlin mit der jährlich abgeregelten Energie aus Wind und Sonne allein aus Brandenburg versorgen. Die Anlage, bestehend aus zwei Speichern mit je 22m3 Kapazität sowie einem Elektroheizer mit 550 kWel Leistung, nutzt überschüssigen Strom zur Erwärmung von Wasser, welches bei Bedarf in das Wärmenetz des EUREF-Campus eingespeist werden kann. Eine Verbindung mit zwei Kompressionskältemaschinen ermöglicht nach gleichem Prinzip die lokale Kälteversorgung und gewährleistet das Speichern von überschüssigem Strom auch im Sommerbetrieb. Den Ausgleich einer zu geringen Netzspannung gewährleistet der Anschluss an ein Biomethan-BHKW (Blockheizkraftwerk). Durch diese einzigartige Kombination bestehender Technologien leistet die GASAG Solution Plus auf dem EUREF einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Netzstabilität. Auch wenn man als Laie die technischen Zusammenhänge nicht versteht, die Botschaft ist klar: keine erzeugte Energie wird verschwendet.

„Der Smart Energy Leuchtturm EUREF-Campus strahlt ab heute noch heller", sagt die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Ramona Pop. „Denn mit der Inbetriebnahme der neuen P2H-/P2C-Anlage setzt das innovative Energiemanagement der GASAG auf Sektorkopplung und Systemintegration erneuerbarer Energien. Statt diese bei einem Über-angebot abzuregeln, können sie auf dem EUREF-Campus umgewandelt, gespeichert und als Wärme oder Kälte genutzt werden. Das zeigt den wichtigen Anteil, den innovative Lösungen in der Stadt für das Gelingen der Energiewende in der gesamten Region haben."

Auch GASAG-Vorstandsvorsitzende Vera Gäde-Butzlaff betont die Potenziale der neuen Anlage: „Wir haben den Blick auch in die Zukunft gerichtet: Wie entwickelt sich die Technik weiter? Wie müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen gestaltet sein? Das testen wir mit der Power to Heat-/Power to Cool-Anlage auch hier auf dem EUREF-Campus.“

Frank Mattat, Geschäftsführer der GASAG Solution Plus, unterstreicht die Erfordernis neuer Ansätze bei dem Vorantreiben der Energiewende: „Mit der P2H-/ P2C-Anlage gehen wir einen Schritt weiter: Sie ist neuer Ansatz und zugleich eine Blaupause für die energetische Versorgung von Quartieren in der Zukunft. Das Quartier ist damit Verbraucher - Erzeuger - Speicher und Netzstabilisator in einem.“

Die P2H-/P2C-Anlage ist Bestandteil der entstehen-den Energiewerkstatt – einem Projekt auf dem EUREF im Rahmen der WindNODE-Initiative, welche sich die Förderung intelligenter Nutz- und Speichersysteme von erneuerbaren Energien zur Hauptaufgabe gemacht hat. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben im Programm Schaufenster Intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende (SINTEG**).

Projektpartner der GASAG Solution Plus P2H-/P2C-Anlage sind: EUREF Campus, BLS Energieplan, Stromnetz Berlin, Leibniz Universität Hannover, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Die Frage, ob die Anlage CO2 einspart, beantworten die Betreiber wie folgt: „Ja. Statt mit Erdgas und grauem Strom wird Wärme und Kälte dann zum Teil mit zehn Prozent Ökostrom erzeugt. In den ersten ein bis zwei Jahren wird die Anlage zunächst noch erprobt und daher nur zeitweise eingesetzt. Aber auch in diesen ersten Jahren wird bereits über 11.000 kg CO2 pro Jahr eingespart.“

Ist die P2H-/P2C-Anlage auf dem EUREF Campus ein Einzelfallmodell? „Der auf dem EUREF Campus gewählte Ansatz einer Quartiersversorgungssituation ist als vollständig neuer Ansatz zugleich eine Blaupause für die energetische Versorgung von Quartieren in der Zukunft. Aus einer dezentralen Versorgungszentrale heraus wird Wärme, Kälte und zum Teil auch eigenproduzierter Strom dem Quartier zur Verfügung gestellt. Dabei kommen biogene Brenn-stoffe, hocheffizientes Erdgas und Strom zum Einsatz. Das Quartier ist damit Verbraucher – Erzeuger – Speicher und Netzstabilisator in einem! Mit diesem Konzept können die Klimaschutzziele von 2050 bereits heute erzielt werden. Damit ist dieser Ansatz Modellprojekt für das Quartier der Zukunft und in vielfältiger Weise übertragbar.“