Mobilitäts-Gipfel auf dem EUREF-Campus

Vier Tage lang wurde auf dem EUREF-Campus über die Zukunft der Mobilität diskutiert. Rund 100 Referenten und 1.200 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Forschung und Medien trafen sich im Gasometer und AudiMax zum Meinungsaustausch. Montag und Dienstag, den 9. und 10. April, standen ganz im Zeichen des "FutureMobility Summit" des Tagesspiegels. Und auch die Hauptstadtkonferenz Elektromobilität, war dieses Jahr am 11. April, im Anschluss an den Mobilitäts-Gipfel zu Gast auf dem EUREF-Campus. Abgerundet wurde die Veranstaltungsreihe am 12. April mit der Lab2Reality Konferenz. Dabei wurde die erste, in ein Smart Grid integrierte, Elektrobus-Ladestation Berlins in Betrieb genommen.

EUREF-Chef Reinhard Müller begrüßte die Konferenzteilnehmer an allen Tagen und sprach über das, was ihm besonders am Herzen liegt und in diesem Jahr zehn Jahre alt wird, den EUREF-Campus. Hier ist das CO2-Klimaziel der Bundesregierung für 2050 bereits 2014 erreicht worden. Ob allerdings die Klimaziele der Bundesregierung im restlichen Land erreicht werden können, wird immer fraglicher. 76 Minuten lang könnte der EUREF-Campus mit selbst produzierter regenerativer Energie ganz Berlin versorgen.  

Wirtschafts-Senatorin Ramona Pop sprach in ihrem Vortrag über das Thema der Fahrverbote und richtete schwere Vorwürfe an die Bundesregierung, die nicht rechtzeitig gehandelt habe. Dass sich jetzt Gerichte mit den Fahrverboten beschäftigen müssen, sei nicht der richtige Weg. Weltweit besteht der Trend zur Urbanisierung. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Allein Berlin hat einen Zuwachs von rund 50.000 Menschen jährlich. Die Herausforderung besteht darin, die Verkehrsinfrastruktur auszubauen. Es müsse aktiv in die Infrastruktur investiert werden. Das sei in den letzten 15 Jahren versäumt worden.

Nun beginnt die Aufholjagd. 100 Mio. Euro wird in Berlin in die Fahrradinfrastruktur investiert. Die auch für die Verkehrsbetriebe verantwortliche Senatorin kündigte an, dass die BVG für zwei Milliarden Euro seine Busflotte mit Elektrofahrzeugen erneuern werde. Das stößt jedoch auf ein Problem. Sie findet bei deutschen Autobauern keine Busse. Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche kündigte in seinem Vortrag an, dass es im Herbst diesen Jahres Busse seines Unternehmens geben werde.

Der neue Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, verbreitete Optimismus. Allerdings nicht für Kunden, die einen Euro 5 oder Euro 6-Diesel gekauft haben, dessen Schadstoffausstoß die Grenzwerte weit überschreitet. Eine Hardware-Nachrüstung, wie sie von den Kunden und der Politik gefordert wird, wird es nicht geben. Genau so äußerte sich auch Daimler-Chef Zetsche. Offen blieb die Frage, was aus den Fahrzeugen wird.  

Der neue Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte in dieser Funktion einen seiner ersten öffentlichen Auftritte. Er sprach über die Mobilität der Menschen von morgen und gab zu bedenken, dass die individuelle Mobilität nur gelingen werde, wenn sie umweltfreundlich sei.

Bei der Hauptstadtkonferenz ging es im Wesentlichen auch um die Mobilitätsfragen der Zukunft. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop betonte, dass der Trend eindeutig zum öffentlichen Personennahverkehr geht. 120 Elektrobusse will die BVG so bald wie möglich anschaffen. BVG-Chefin Sigrid Nikutta kündigte an, den ÖPNV in Berlin kontinuierlich auszubauen. Immer noch seinen zu viele Fahrzeuge unterwegs, in denen sich jeweils nur eine Person befindet. Berthold Huber von der Deutschen Bahn gab zu bedenken, dass es wenig nutze wenn alle auf Car-to-Go Fahrzeuge umstiegen und überall nur eine Person drin sitzt. Der Stau auf den Straßen bliebe dann derselbe.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation des autonomen Busses, der auf den schönen Namen Emily hört, ausgewählt aus vielen Vorschlägen von den Beschäftigten des EUREF-Campus. Noch fährt Emily nur auf dem Campus. Reinhard Müller wünscht sich, dass der Bus bald bis zum Bahnhof Südkreuz fahren darf. Dazu, und damit schließt sich der Kreis, bedarf es aber jener mutigen Politiker, die sich Reinhard Müller wünscht.

Am Ende der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität gab es eine beruhigende Aussage vom Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, Thomas Schäfer. Er räumte mit dem "Märchen vom Black Out" auf. Selbst bei einer Annahme von künftig 250.000 Elektrofahrzeugen, würde das in Berlin für das Netz nur eine Mehrbelastung von fünf Prozent ausmachen. Somit wäre keine strukturelle Erweiterung notwendig.