Rat für Nachhaltige Entwicklung zu Gast auf dem EUREF-Campus

Der „Rat für Nachhaltige Entwicklung" lud am 28. Oktober zu seinem Herbstforum in den Audimax auf dem EUREF-Campus ein. „Nachhaltigkeitsstrategie: politische Aufgaben" lautete der Titel der Veranstaltung, an der rund 150 Experten aus Politik, Verbänden und Institutionen teilnahmen. Rundum glücklich mit der Arbeit der Politik zeigten sich die Vorsitzende des Rats für Nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, und ihr Stellvertreter Olaf Tschimpke nicht. In einer Stellungnahme des Rats zum Bericht über Nachhaltigkeitsindikatoren steht der Satz: „Bei wesentlichen Zielen zur Nachhaltigkeit ist die Bundesregierung nicht auf Erfolgskurs. Das ist politisch und für die gesamte Gesellschaft besorgniserregend. Nachhaltigkeit verlangt deutlich mehr politische Entschlossenheit."

Ganz so dramatisch sieht es Bundesminister Peter Altmaier, der das Eröffnungsreferat hielt, nicht. Er verwies darauf, dass schon viel erreicht worden sei, man aber weiterhin an den Nachhaltigkeitszielen arbeite. Die Bundesregierung erkenne die Nachhaltigkeit als wichtiges Thema an. Und der Minister weiß, dass ohne Nachhaltigkeit unsere Lebensgrundlagen gefährdet sind. Nachhaltigkeit wird nicht nur mit persönlichem Verzicht erreicht werden können.

Peter Altmaier ist nicht nur der Chef des Bundeskanzleramtes, sondern auch Minister für besondere Aufgaben. Eine dieser „besonderen Aufgaben" ist die Nachhaltigkeit. Ein Thema, das so wichtig ist, dass Altmaier ein Gremium leitet, das aus Staatssekretären aller Bundesministerien besteht. Also eine klassische Querschnittsaufgabe.

Die moderne, umfassende Bedeutung von Nachhaltigkeit ist das Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren und künftig wieder bereitgestellt werden kann. Einfach gesagt, man darf nicht mehr Bäume fällen, als Holz nachwachsen kann. Mit dieser Botschaft, so Altmaier, erreicht man kaum ein Land, das davon lebt, seinen Regenwaldbestand zu dezimieren. Nicht aus bösem Willen, sondern weil man erst einmal unseren Lebensstandard erreichen möchte, ehe man sich über Umweltschutz, CO2-Ausstoß und Energiesparprogramme Gedanken macht.

Wer glaubt, dass Nachhaltigkeit eines dieser modernen Begriffe aus der Schublade „Wir müssen jetzt unsere Welt retten" ist, der irrt, denn „Das Prinzip der Nachhaltigkeit" wurde erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz schriftlich formuliert. Es hat lange gedauert, bis dieses Thema in unserer Gesellschaft angekommen ist.

Der Rat wurde im April 2001 von Bundeskanzler Gerhard Schröder berufen, Angela Merkel hat 2007 die Berufung erneuert. Er hat die Aufgabe, Empfehlungen zur Nachhaltigkeitspolitik zu geben, Projekte mit Vorbildcharakter zu initiieren und das Thema „Nachhaltigkeit" in die Öffentlichkeit zu tragen. Dem Rat gehören 15 Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen an.

Text: Ed Koch