Cisco eröffnet Innovationszentrum auf dem EUREF-Campus

Das muss man den Amerikanern lassen, wenn sie etwas präsentieren, dann ist das hollywoodreif. Bei der Eröffnung von „openBerlin“ in einem dieser wunderschönen alten roten Backsteingebäude auf dem EUREF-Campus ließen es die Cisco-Manager richtig krachen. Im Gasometer fand die Eröffnungsveranstaltung statt, mit großer Bühne und vor allem viel Licht. Dr. Bernd Heinrichs, Managing Director des „Innovation Center openBerlin“, begrüßte Mitarbeiter, Partner und Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Industrie. Abgesehen vom Regierenden Bürgermeister, dem natürlich schon aus repräsentativen Gründen ein Rednerpult zusteht, durchschritten die anderen Referenten die Bühne von links nach rechts und zurück. Dadurch entsteht immer Bewegung, es wird nicht langweilig, auch wenn die Vorträge noch so speziell sind. Lästige Zettel muss man auch nicht zwingend mit sich herumtragen, dafür stehen zwei Monitore auf der Bühne. Eine Live-Schaltung nach Brasilien gehörte natürlich auch zum Programm.

Zwei Stunden lang erklärten uns unter anderem Prof. Dr. Dr. h.c. Sahin Albayrak, Wissenschaftlicher Leiter des "Distributed Artificial Intelligence Laboratory "und Vorstandsvorsitzender des Connected Living e.V., Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture, und Maciej Kranz, Vice President und General Manager der Corporate Strategic Innovation Group bei Cisco, den technologischen Stand unserer Welt. Beeindruckend, wie sicherlich auch die Visitenkarte von Prof. Albayrak, wenn er alle seine Funktionen auf ihr unterbringen will. Aber, das ist im Vortrag von Bernd Heinrichs bei mir hängen geblieben, Papier braucht man nicht bei „openBerlin". Auch Telefone, Faxgeräte und Fotokopierer gehören nicht zur Grundausstattung. Mit einem Computer kann man alles machen, hin und her schicken, sich ansehen, korrigieren, zurücksenden, im Hause selbst und natürlich weltweit.

Am 17. September des letzten Jahres verkündeten Dr. Bernd Heinrichs, Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und Reinhard Müller, Vorstandsvorsitzender der EUREF AG, die frohe Botschaft der Ansiedlung von Cisco auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg. Am 15. Oktober 2015 traf man sich nun wieder, um den Start zu feiern.

Michael Müller in seiner Begrüßungsrede: „openBerlin ist ein klares Bekenntnis von Cisco zu Deutschland und Berlin.“ Vom Start an arbeiten dort 35 Start-ups und Partner an ersten Projekten zusammen. Zu den großen Partnern gehören unter anderem die Autozulieferer Bosch und Continental. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller zum Stellenwert der Investition in der deutschen Hauptstadt: „Die Entscheidung, eine so außergewöhnliche Einrichtung nach Berlin zu bringen, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, Berlin als führenden Hightech-Standort zu etablieren.“ In dem neuen Zentrum werden keine Verbraucherprodukte entwickelt, sondern der Schwerpunkt liegt nach den Worten von Dr. Bernd Heinrichs, Managing Director von openBerlin, auf Produktion, Logistik und Verkehr. In diesen Bereichen und im Maschinen- und Automobilbau sei Deutschland weltweit führend. Das Innovationszentrum soll eine offene Plattform für Partner, Start-ups und für universitäre Forscher bieten, um schneller als bisher neue Lösungen zu entwickeln. Was früher ein Jahr gedauert habe, solle nun innerhalb von Wochen oder Tagen geschehen.

Die neue Industrie funktioniere global, so Oliver Tuszik, Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco Systems Deutschland, und sie entstehe jetzt. Innovationen kämen heute nicht mehr automatisch aus dem Silicon Valley. Tuszik: „Deutschland ist eines der Länder mit dem größten Potenzial, vom Internet of Things (Internet der Dinge) zu profitieren, dank der exzellent ausgebildeten Ingenieure, der nachhaltigen Innovationsstärke und der starken globalen Marktposition.“

Tuszik weiter: „Open bedeutet auch anders. Klassische Innovationszyklen reichen zeitlich nicht mehr aus.“ Die Entwicklung verbrauche jetzt auch viel weniger Kosten. Als Beispiel stellte Cisco das Berliner Start-up Azeti Networks vor, das in Kooperation mit anderen Teams eine Lösung entwickelt hat, mit der verteilte Infrastrukturen wie zum Beispiel die Basisstationen von Mobilfunkbetreibern über das Internet überwacht und kontrolliert werden können. Innerhalb von sechs Monaten habe das Team seine Lösung auf den Markt bringen können.

Das Gebäude von openBerlin auf dem EUREF-Campus sei selbst das intelligenteste Gebäude in Berlin und ein Vorzeigeobjekt für das Internet der Dinge, sagte Heinrichs. Es arbeite komplett energieneutral. Die Inneneinrichtung besteht aus Second-Hand-Möbeln, allerdings wurden auch Designer zurate gezogen. Es ist mit mehr als 10.000 Sensoren ausgestattet, die Daten wie Beleuchtung, Stromverbrauch und Raumtemperatur erfassen. Heinrichs: „Es gibt im ganzen Haus keinen Lichtschalter und kein Telefon." Die Kommunikation erfolge über Videotelefonie. Cisco arbeitet dabei gemeinsam mit dem Chip-Hersteller Intel an einer Art Blaupause für die Gebäudevernetzung.

Warum gerade Berlin? Für diesen Standort hätten viele Faktoren gesprochen. Große Industriepartner aus dem Westen der Bundesrepublik hätten die Hauptstadt favorisiert, sagte Tuszik. Hier träfen sich Menschen und Fachleute aus der ganzen Welt. Tuszik: „Und man muss wirklich niemanden überreden, nach Berlin zu ziehen." (Quelle: Senatskanzlei)

Text: Ed Koch