Ein Blackout ist unwahrscheinlich, aber möglich!

Auf dem EUREF-Campus fand am 30. April ein Expertenforum unter dem Titel „Informationssicherheit für die Öffentlichkeit bei Infrastrukturausfällen" statt. Eingeladen hatten die auf dem EUREF-Campus ansässige KKI GmbH (Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen) und die Deutsche Gesellschaft für Anlagensicherheit DEGAS.

In einer Reihe von Referaten und Diskussionsrunden ging es im Wesentlichen um die Frage, wie die Öffentlichkeit informiert werden kann, wenn es zu einer größeren Katastrophe kommt. Vertreter von Telekom und der Stromnetz Berlin GmbH wiesen auf die Sicherheit ihrer Netze hin. In Berlin ist man verwöhnt, nur selten kommt es zu Stromausfällen oder sturmbedingten mittelschweren Problemen. Was aber, wenn es zum Blackout kommt, wie ihn Marc Elsberg in seinem Buch anschaulich, ja geradezu erschreckend beschrieben hat?

Selbst der Berliner Feuerwehrchef Wilfried Gräfling gab in seinem Vortrag unumwunden zu, dass ihm bei diesem Gedanken mulmig wird. Ein Totalausfall der Infrastruktur würde unser Land für mindestens sechs Tage lahmlegen. Experten halten allerdings einen Blackout für genau so unwahrscheinlich, wie einen atomaren Angriff.

Es kann aber auch zu vielen kleineren Katastrophen kommen, bei denen die Stromversorgung noch halbwegs funktioniert. Christof Thim von der Universität Potsdam wies darauf hin, dass die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter eine wichtige Rolle bei der Übermittlung von Nachrichten bei kleineren und größeren Katastrophen spielen können. Einer Umfrage zufolge erwarten 69 Prozent der Nutzer, dass die Rettungskräfte die Netzwerke beobachten und 76 Prozent wünschen sich eine Reaktion innerhalb von einer Stunde. Die KKI GmbH benötigt 90 Sekunden ab Annahme einer Störmeldung bis zur Alarmierung der Einsatzkräfte. Beim Stromausfall in Schöneberg vor einigen Wochen, von dem auch die Sendung von Günther Jauch im Gasometer betroffen war, gingen schon nach rund 20 Minuten die Lichter wieder an.

Und sollte der Stromausfall eine größere Dimension haben, empfiehlt der Feuerwehr-Chef als Vorsorge, einmal nachzuschauen, ob man noch sein altes Transistorradio hat. Dieses funktioniert nämlich immer noch, wenn der Akku im Handy schon längst leer ist.

Die Wahrscheinlichkeit eines technischen Versagens unserer Infrastruktur ist relativ gering. Die größere Gefahr geht von Personen aus, die es bewusst darauf anlegen, unser System lahmzulegen. Die Terrorszene ist längst weiter, als Autobomben zu zünden oder Redaktionen von Satiremagazinen zu überfallen. Sie weiß genau, wo sie zuschlagen muss, um einen möglichst großen Schaden anzurichten. Rund 400 Millionen Euro würde eine Stunde Blackout kosten. Beruhigend aber ist, dass es Unternehmen wie KKI und DEGAS gibt, die sich um die Blackout-Vorsorge kümmern.

Text und Foto: Ed Koch